Kategorie: Ausgabe Frühjahr 22

Plädoyer fürs Holzhandwerk

Plädoyer fürs Holzhandwerk

Er gilt als verkanntes Genie: Karl Freiherr von Drais, der vor gut 200 Jahren das erste Fahrrad erfand. Doch nicht nur das. Was das Vehikel aus heutiger Sicht so interessant macht: Es war aus Holz. Klobig und klapprig zwar – und als eine Art Laufrad konzipiert, saß der Erfinder am 12. Juni 1817 auf dem Sattel und setzte ein Bein vor das andere. Und so war es geboren: das Rad. Aus Holz. Zum Patent angemeldet am 12. Januar 1818.

Auf Holz gebaut

Auf Holz gebaut

Besucht man ländliche Museen, so besichtigt man überwiegend Produkte aus Holz. Bis zur Erfindung des mineralölbasierten Kunststoffs blieb Holz ein unverzichtbarer, weil meist verwendeter Werkstoff. Vor der Industrialisierung bestanden weitgehend alle einfacheren Gegenstände, Werkzeuge, Fahrzeuge und Bauten aus Holz. Handgeschmiedetes Eisen, etwa Nägel, waren kostbar und teuer. Transport- und Aufbewahrungsbehälter wie Kisten, Fässer und Wannen, Haushaltsgegenstände, Schuhe und vieles mehr: Eine ganze Bandbreite von Holzhandwerkern verwandelten Bäume zu dem, was der Mensch zum Leben, Arbeiten und Wohnen brauchte.

Luchs und Maus

Luchs und Maus

Im Abwehrkampf gegen die Nager wurden Mausefallen erfunden, zumeist trickreiche Konstruktionen aus Draht und Holz. In 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte sollen 200 verschiedene Modelle entwickelt worden sein, wie ein Sammler aus Wiesbaden ermittelte. Wandernde Mausefallenhändler zogen mit ihnen durch ganz Europa, denn Bedarf bestand überall. Die Industrialisierung ermöglichte eine serielle und damit kostengünstige Herstellung der Mausefalle.

Mein Freund der Baum

Mein Freund der Baum

„Und in den Wald gehe ich, um meinen Verstand zu verlieren und meine Seele zu finden.“ – Wäre ich zur Kur, würde ich es Wandeln nennen. Gemächlichen Schrittes begebe ich mich mit einer kleinen Gruppe schweigend auf den Weg. Jeden Schritt bewusst nehmen, nicht eilen, kein Wandertempo anschlagen. Eigentlich ist das hier nicht mein Ding, so geht’s mir durch den Kopf.

Bedächtig zwischen Nö und Jau

Bedächtig zwischen Nö und Jau

Der Sandboden ist schuld! Das jedenfalls ist die These von Jörg Sundermeier, angesprochen auf die berühmte Sturheit des hiesigen Menschenschlags. Der Chef vom Berliner Verbrecher Verlag bohrt den ostwestfälischen Holzkopf historisch an. Warum gerade er? Weil der Journalist und Buchautor in Verl aufgewachsen ist! Das allein ist Referenz genug. Doch als Verfasser der „Heimatkunde Ostwestfalen“ hat er sich darüber hinaus qualifiziert …