Fotos: Detlef Güthenke

„Yoga meets“– dieses inzwischen bewährte Konzept kombiniert die wohltuende Wirkung der jahrtausendealten indischen Lehre mit ganz anderen Bereichen wie Kunst, Natur oder Kulinarik. Tief verbunden mit dem inneren Selbst mobilisieren die positiven Aspekte von Yoga Intuition, Sensibilität und Kreativität.

Ein Sternekoch kostet Aromen, die der Laie ganz unbemerkt verschluckt; die Malerin entdeckt dort zarte Farbschattierungen, wo unser Holzauge nur scharfe Kontraste erkennt. Nicht nur geschulte, sondern auch sensibilisierte Sinne führen zu einer verbesserten Reizwahrnehmung. Das bestätigen auch Neurologen. Mittels Konzentration und Achtsamkeit und natürlich durch entsprechendes Training, sehen, hören, fühlen und schmecken wir deutlich feinsinniger. Diese Erkenntnis nutzen auch die Anbieter des angesagten Formats „Yoga meets“ – einer modernen Synthese, bei dem Interessierte dem Alltagsstress entfliehen, ihre innere Balance wiederfinden und durch das Loslassen in der Yoga-Session ganz neues Potential in anderen Bereichen entfalten. Bevor Sie nun Eintauchen in die transzendentale Komposition aus tänzerischer Spiritualität, grauem Burgunder und zuckrigem Kipferl, kommen Sie doch kurz mit auf die Matte, die Basis aller Erleuchtung …

Hippie Ya Yeah!
Yoga – aus dem alt-indischen übersetzt – bedeutet das so viel wie „verbinden“. Körper Geist und Seele finden miteinander ihren harmonischen Einklang, körperliche Positionen, Achtsamkeitsübungen und Versenkungszustände sind – ineinander verflochten – Garant für ein rundherum entspanntes Wohlgefühl. Früher verboten, liegt Yoga heute absolut im Trend. Ob Volkshochschule, Sportverein oder Fitness-Studio – die Mobilitäts-Kombi für Körper, Geist und Seele ist en vogue. Dank sei den Hippies, die in ihren regenbogenfarbenen Bullis nicht nur Gebetsketten, Räucherstäbchen und bunte Tücher aus Indien in ihre westliche Heimat transportierten, sondern eben auch anmutige Kobras, halbe Tauben, liegende Schmetterlinge und jede Menge Hunde: Solche, die auf softe Iso-Matten aus ökologischer Schurwolle herabschauen, solche, die ins weite Himmelblau hinaufblicken und solche, die auf nur einem Bein ein Höchstmaß an positiver Energie ausstrahlen. Neben diesen Asanas – den Körperpositionen – ist Pranayama – die Atemtechnik von großer Bedeutung. Mal fließt der Atem sanft durch jede einzelne Körperzelle, mal strömt er feurig aus dem sonnenverflochtenen Magenchakra. Welch kraftvollen Initiationszündung – und genau das, was man benötigt, um die eigenen Mauern erfolgreich abzutragen!

Kreativer Treffpunkt
Bei „Yoga meets Art“ stehen das Überwinden kreativer Blockaden sowie die persönliche Schaffenskraft im Mittelpunkt. „Viele Menschen würden ihre Gefühle gerne künstlerisch zum Ausdruck bringen, aber sie trauen sich nicht.“, weiß Yoga-Lehrerin Natascha Tabbert und erklärt: „Sie sind der Meinung, dass sie nicht gut genug dafür sind. Deshalb greifen Sie nicht in die Tasten des Klaviers oder zu Pinsel und Papier. In unseren Workshops aber geht es nicht darum, Kunstwerke von kultureller Bedeutung zu schaffen, sondern um die persönliche Weiterentwicklung und die Möglichkeit, die innere Welt im Außen sichtbar zu machen, sich mittels Kunst auszudrücken. Durch die Verbindung von Bewegung, Atmung und kunstvoller Gestaltung sind die Teilnehmer in der Lage, ihre eigenen Glaubenssätze zu korrigieren und Begrenzungen einzureißen. Das ist befreiend, und es entstehen persönliche Kunstwerke – häufig von großer individueller Tragweite!“

Vom Power-Frosch zum Yoga-Brezel
Die betriebliche Gesundheitsmanagerin kann sich noch ganz genau an ihre erste Berührung mit der spirituellen Bewegungs-Lehre erinnern: „Ich befand mich in einer echten Lebenskrise, war unglücklich und überarbeitet. Obwohl ich hyperaktiv war und wirklich alles an Sport gemacht habe, was mein Körper irgendwie hergab, war ich nicht ausgefüllt.“ Leer habe sie sich gefühlt. Ausgebrannt. „Da es eigentlich nicht schlimmer werden konnte, bin ich dem Rat einer Freundin gefolgt und habe mich zu einer Yoga-Stunde angemeldet. Und das, obschon ich bis dato immer so eine Art Duracell-Hase war, ein Power-Frosch, der ständig umher hüpfen musste und nie innehalten konnte. Und nein: Die erst Yoga-Stunde hat mir nicht sofort die Erleuchtung gebracht! Ich kam ja noch nicht mal in den Lotus-Sitz, den Schneidersitz, bei dem die Meditierenden mit beiden Knien den Boden berühren. Aber: Irgendetwas hatte mich ‘getoucht’, und ich habe mich auf den Weg des Hatha-Yogas begeben.“
Seit mehr als 20 Jahren gibt die Gütersloherin mit mauretanischen Wurzeln nicht nur Präventionskurse wie Rückenfit, Bodystyling, Fit-Mix, Faszientraining, Bauch-Beine-Po, oder HIIT und bringt Bertelsmänner und -frauen in deren Mittagspausen auf Trab sondern auch, Achtsamkeits- Workshops und Yoga-Stunde.

Keks und Kobra
Neben den schon bekannten Formaten der Weinverkostung und der künstlerischen Entfaltung beim Zeichnen oder Musizieren, kombiniert Natascha Tabbert den Flow des Yoga mit ganz alltäglichen Beschäftigungen, die dadurch eine völlig neue Wertigkeit erfahren und ihre besondere Intensität und entfalten. So hat die Mutter zweier Teenager unter anderem das Backen von Plätzchen in ein Yoga-Seminar integriert. Und das, so die Alleskönnerin, „kam wirklich gut an“: Denn auch Backen kann im Kontext mit leichten Yoga-Übungen viel mehr sein als Mehl, Butter und Zucker zusammen zu werfen und Herzen auszustechen. Wenn Sie den einzelnen Zutaten ein wenig Aufmerksamkeit schenken, darauf achten, wie cremig sich die weiche Butter zwischen Ihren Händen anfühlt, wie sie sich mit dem samtigen Mehl und den feinen Zuckerkristallen zu einem geschmeidigen Ganzen verbindet, heben Sie eine vermeintlich normale Küchentätigkeit auf ein geradezu sinnliches Level.
„Es geht ja beim Yoga – außer in wenigen fundamentalen Richtungen – nicht um das Kasteien, sondern auch um hingebungsvollen Genuss! – Und den herrlichen Duft von frischen Plätzchen, das Knabbern des noch warmen Gebäcks bei einem frischen Kaffee verbindet wohl jeder mit guten Erinnerungen“, so die Mental-Trainerin.

Durchatmen und wohlfühlen
Letztlich gehe es aber nicht darum, Yoga zu instrumentalisieren! „Es geht um Entspannung, Entschleunigung und eine besondere Auszeit aus dem Alltag; es geht um Durchatmen und Wohlbefinden, gemeinsames Erleben und um Austausch.“ Und genau deshalb ist im Kreis Gütersloh in diesem Jahr noch einiges an „Yoga meets“ geplant: Die genussvolle Reise in die Welt des Weines, beispielsweise wird durch yogische Praktiken um das klassische Vierkost-System erweitert, in freier Natur die Sonne gegrüßt und achtsam gewandert. „Ich lade ein zu besonderen Erlebnissen, die Körper, Geist und Seele in eine erfrischende Mobilität führen,“ blickt Natascha Tabbert nach vorn.