Fotos: Detlef Güthenke, Kreis Gütersloh
Mobilität beschreibt die Bewegung von Menschen und Dingen im Raum. Damit diese Bewegungen zielgerichtet, effektiv und effizient erfolgen können, müssen sie zentral organisiert, koordiniert und gesteuert werden. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die Kim Nadine Rother bereits seit drei Jahren für den Kreis Gütersloh ausübt. faktor3 hat der 42-jährigen bei der Ausübung ihres Berufs einmal über die Schulter geschaut.
Auch wenn die Diplom-Biologin ihre Stelle als Mobilitätsmanagerin des Kreises erst 2022 antritt: das Thema selbst beschäftigt sie schon deutlich länger. Direkt nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Studiums an der Universität Bielefeld startet sie ihre berufliche Karriere 2007 bei Energie Impuls OWL, wo sie den Bereich Jugend und Technik leitete, bevor sie 2011 zur Kreisverwaltung Gütersloh wechselt. Hier wird Kim Nadine Rother als Klimaschutzmanagerin direkt in die Ausarbeitung und Entwicklung des Integrierten Klimaschutzkonzepts eingebunden. „Für mich war das eine großartige Erfahrung. Im Rahmen dieser Arbeit haben wir ja nicht nur für den Kreis wichtige Weichenstellungen vorgenommen, sondern auch ein Stück weit Pionierarbeit geleistet. Schließlich waren Themen wie Mobilität und Nachhaltigkeit damals bei weiterem noch nicht so präsent wie heute.“
Mobilität ist Teamarbeit
Mehr als zehn Jahre später ist ihr Aufgabengebiet um ein Vielfaches gewachsen. Neben der Organisation und Umsetzung von außenwirksamen Projekten wie dem Stadtradeln oder der Kindermeilen-Kampagne kümmert sich Kim Nadine Rother vorrangig um die Steuerung, Koordination und Pflege des Netzwerkes, das vom Kreis genutzt wird, um Mobilitätsprojekte zu entwickeln und umzusetzen. Dazu gehören die Mobilitätsmanager der Kommunen ebenso wie Ressortvertreter aus anverwandten Themengebieten, aber auch Mitarbeiter aus externen Organisationen, Vereinen und Verbänden. „Mobilität hat viele verschiedene Gesichter. Dementsprechend vielfältig sind auch die Kontakte, die wir unterhalten und pflegen. Schließlich können Mobilitätskonzepte nur gemeinsam und in einem starken Team entwickelt und umgesetzt werden.“
Es ist gerade diese Arbeit in Team, die Kim Nadine Rother begeistert, sowohl innerhalb der Kreisverwaltung als auch in der Zusammenarbeit mit Kommunalvertretern und anderen Ansprechpartnern. „Da die Kommunen die Flächenhoheit haben, haben wir als Kreis keine Zugriffs-, geschweige denn Durchgriffsmöglichkeiten. Unsere Aufgabe ist überwiegend die Beratung, Information und Unterstützung. Aber auch das ist wichtig.“ Jüngstes Beispiel: das Linien-E-Carsharing in Borgholzhausen und Halle (siehe Seite 54 bis 57). „Hier haben wir als Kreis die Aufgabe der Projektträgerschaft übernommen, das heißt wir kümmern uns unter anderem um die Unterlagen für den Förderantrag, den Ausschreibungsprozess der Dienstleister und die Abrechnung der Kosten und Fördermittel. So unterstützen wir mit unserem Know-how die Kollegen vor Ort und erleichtern dadurch die Projektabwicklung.“
Neues Bewusstsein schaffen
Trotz der vielen administrativen und bürokratischen Aufgaben verbringt Kim Nadine Rother nur den kleineren Teil ihrer Arbeitszeit im Büro. „Mobilitätsmanagerin ist auf keinen Fall ein Schreibtischjob, aber gerade das finde ich gut. Wenn ich draußen vor Ort bin, habe ich wenigstens die Möglichkeit, die Menschen davon zu überzeugen, wie wichtig und sinnvoll nachhaltige Mobilität ist“, lacht sie. Ein Vorhaben, das ihr nach Ansicht ihrer Chefin Katharina Fecke, die 2024 die Leitung der Abteilung Umwelt, zu der auch das Sachgebiet Klimaschutz und Planung gehört, übernommen hat, ausgesprochen gut gelingt. „Eine unserer wichtigsten Aufgaben als Kreisbehörde ist es, die Bürgerinnen und Bürger von der Notwendigkeit einer nachhaltig angelegten Mobilität zu überzeugen. Dafür braucht es den Dialog mit den handelnden Personen vor Ort und genau hier liegen Kims Stärken.“ Dass es tatsächlich noch einiger Überzeugungsarbeit bedarf, belegen die Ergebnisse der Modal Split-Erhebung, die der Kreis im Jahr 2023 durchgeführt hat und deren Ergebnisse im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden. „Im Kreis Gütersloh werden überdurchschnittlich viele Wege unter zwei Kilometer mit dem Auto zurückgelegt, und zwar nicht, weil es nötig ist, sondern weil es vielen Bürgerinnen und Bürgern schwerfällt, mit alten Gewohnheiten und Routinen zu brechen. Hier sind wir als Kreis aufgefordert, die Menschen besser über die Folgen ihres Verhaltens aufzuklären, um so ein neues Bewusstsein zu schaffen. Auch diese Tätigkeiten gehören zu den Aufgaben des Mobilitätsmanagements“, erläutert Katharina Fecke.

An nötigen Ideen und Impulsen fehlt es nicht. Ob innovative Konzepte wie das Linien-E-Carsharing in Borgholzhausen oder kleinere Projekte wie das Dorfauto, das in St. Vit, Lintel und Brockhagen eingesetzt wird: Es gibt sie, die niederschwellige und kostengünstige Angebote für eine nachhaltige Mobilität, weiß Nadine Kim Rother. „Nur werden diese Angebote häufig nicht oder nur unzureichend genutzt.“ Die allzu oft als Erklärung herangezogenen, fehlenden Finanzmittel sind nach Ansicht von Katharina Fecke nur bedingt schuld an dieser Entwicklung. „Beispiele wie das Stadtradeln oder die Kindermeilen-Aktion zeigen, dass man auch mit relativ wenig Geld einiges bewegen kann. Wenn wir darüber hinaus die vorhandenen Synergien und Potenziale auf Kreis- und Landesebene auf die Straße bringen, ist im Bereich Mobilität einiges möglich.“
Kreisverwaltung startet Bestandsaufnahme
Dafür will die Kreisverwaltung gerne mit gutem Beispiel vorangehen. Katharina Fecke: „Im Rahmen einer umfassenden Bestandsaufnahme wollen wir in den nächsten Jahren schauen, wo wir selbst beim Thema Betriebliches Mobilitätsmanagement stehen, was wir verbessern und welche Potenziale wir noch heben können. Schließlich können wir unsere Botschaften nur glaubhaft und authentisch nach außen tragen, wenn wir selbst vorbildhaft handeln.“ Ein Vorhaben, auf das sich auch Kim Nadine Rother schon freut: „Natürlich stehen wir noch am Anfang von diesem sicherlich herausfordernden Prozess. Aber mit unserem relativ jungen und noch recht frisch zusammengesetzten Team und dem guten Netzwerk im Haus werden wir hier sicher Einiges erreichen. Ich denke, darauf darf man dann schon gespannt sein.“