Gut leben, gut arbeiten 

Gut leben, gut arbeiten 

Mit einer Werbekampagne zielt die pro Wirtschaft GT auf „Young Professionals“

c Eine junge sympathische Frau erzählt, warum sie gern hier wohnt: innenstadtnah, in historischer Umgebung und doch auf einer grünen Insel. Homeoffice inklusive. „Gut leben, gut arbeiten im Kreis Gütersloh.” Lisa Spooren kann das in Wort und Video zu 100 Prozent bestätigen.
Die Gütersloher Architektin ist Testimonial einer Marketing-Kampagne, mit der die pro Wirtschaft GT den Kreis als attraktiven Lebens- und Arbeitsort in Herz und Hirn potenzieller Bewerber und Bewerberinnen verankern will. Zielgruppe sind Fachkräfte aus angrenzenden Regionen und Hochschulen, Studierende, die kurz vor dem Abschluss stehen und junge Spezialisten in ihrem Bereich, die bereits Berufserfahrungen gesammelt haben, vielleicht eine Familie gründen oder sich mit ihrer Familie niederlassen wollen. Auf sie sind die Bildmotive, Videos, Texte und Claims zugeschnitten, die die Headline „Kreis Gütersloh: Gut leben, gut arbeiten“ untermauern.
Klappern gehört zum Handwerk und die Standort-Werbung zum Kerngeschäft der „proWi“. Doch die Konkurrenz schläft nicht, auch der Binnen-Wettbewerb um gut ausgebildete Arbeitskräfte in der Region ist sportlich angesichts des demografischen Wandels.  So legen statistische Prognosen nahe, dass bis zum Jahr 2035 etwa 50.000 neue Arbeitskräfte im Kreis Gütersloh benötigt werden, um die „Abgänge“ aus der Boomer-Generation aufzufangen. Dabei sind KI- und andere Effekte, die in der Jetztzeit  prognostizierbar sind, bereits eingerechnet. „Das ist nicht wenig“, sagt Anna Niehaus, Geschäftsführerin der pro Wirtschaft GT und führt eine andere Zahl ins Feld: „2024 gab es – laut Statistik der Arbeitsagentur – durchschnittlich drei Bewerbungen auf eine Stellenausschreibung im Kreis Gütersloh.“ Das Verhältnis habe sich zwar inzwischen etwas nach oben entwickelt, aber der Handlungsdruck ist damit gekennzeichnet: Der „Erfolgskreis Gütersloh“ muss seine Trümpfe, wo es geht, ausspielen.

Nun wissen wir, die hier bereits leben, die Vielfalt zu schätzen, die die Region bietet – landschaftlich, wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich, inklusive verkehrstechnischer Anbindungen in fast alle bedeutsamen Metropolen. Und die Erfolgsgeschichten derer, die eigentlich nur mal „ein paar Jahre“ hier arbeiten wollten und bis heute blieben, füllen Bücher. Die langjährige Gütersloher Bürgermeisterin Maria Unger ist dafür ebenso gern zitiertes Beispiel wie zahlreiche Top-Kräfte von Weltunternehmen im Kreis wie Claas, Miele, Nobilia oder Bertelsmann.  Doch den Anker auszuwerfen und die Fische in Ostwesfalen an Land zu ziehen, das scheint in der Breite schon immer eine Herausforderung gewesen zu sein – Personalverantwortliche in mittelständischen Unternehmen können da von ihren Erfahrungen berichten. Zu wenig Wissen über die Region, zu viel Skepsis, besonders wenn Ausbildung oder Studium das Leben in Großstädten oder im universitären Umfeld erstmal so richtig schmackhaft gemacht haben.
Genau hier setzt die auf zwei Jahre konzipierte Kampagne an, für die die Politik auf Kreisebene ein Extra-Budget bewilligte. „Sechs Motive, die die Stärken des Standorts Kreis Gütersloh spielerisch verbinden und greifbar machen,“ beschreibt Nils Krieft ihr Kernelement. Der 31-Jährige ist bei der prowi für das Standortmarketing und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, repräsentiert also quasi selbst die Zielgruppe – praktischerweise ebenfalls als Testimonial unter dem Claim „Starkes Business, schönes Umfeld“. Krieft verkörpert zudem eine Teil-Zielgruppe, an die sich die Ansprache der Kampagne besonders richtet: all diejenigen, die zum Kreis bereits Bindungen haben und die möglicherweise bereits das Fernweh ausgekostet und sowas wie Heimweh gespürt haben.
Aber auch den anderen, die über eine Stellenausschreibungen auf die Kampagne aufmerksam werden, weil sie unter anderem auch als Werbung in gängige Studi-Lernportale eingespeist wird, werden die kurzen Videos gefallen, in denen „Angekommene“ erzählen, warum sie hier gut leben, arbeiten und Karriere machen können. Dabei setzt die Bildsprache nicht auf Hypercut oder andere abgefahrene filmische Eyecatcher, sondern auf authentisches Storytelling. Reale Menschen aus der virtuellen Nachbarschaft erzählen ganz authentisch ihre Geschichte, eingebettet ins ansprechende aber gleichwohl realistische Umfeld von Arbeitsplatz oder Freizeit-Ambiente.
Die pro Wirtschaft GT hat die Kampagne gemeinsam mit der Gütersloher Agentur TERRITORY entwickelt und umgesetzt. Auch für die international tätige Agentur ist die Zusammenarbeit „ein Stück Heimat“, wie Tobias Fedeler, Head of Client Service bei TERRITORY es formuliert. Das ist nicht bloße Theorie, denn die Kampagnen-Verantwortlichen haben alle ihren ganz persönlichen Bezug zur Gegend. So ist es kaum verwunderlich, dass sich in den kurzen Info-Texten, die ebenfalls zu den sechs Motiven gehören, so ziemlich alles findet, was den Kreis lebenswert, abwechslungsreich und spannend macht. Dem Freizeitwert kommt dabei ein besonderer Schwerpunkt zu: Wer’s noch nicht wusste, erfährt, dass hier Weltklasse-Tennis quasi mit dem Rad erreichbar und zu zivilen Preisen zu verfolgen ist, dass Radstrecken für alle sportlichen Kategorien durch Felder, Wälder und malerische Höhenzüge führen oder dass so ziemlich jede Freizeitbeschäftigung hier eine Heimat in Verein oder Gruppe findet.
Und natürlich ist auch die Wirtschaftsstruktur hinreichend beschrieben – die Großen, deren Namen alle kennen, aber auch die Hidden Champions, die mittelgroßen Unternehmen, die beste Karrierechancen bieten oder die Dualen Studiengänge im Campus Gütersloh der Hochschule Bielefeld – alles in wenigen Sätzen, die neugierig machen auf mehr. Das Plus bietet dann die Landing-Page Erfolgskreis-GT, mit der die Kampagne logischerweise verhandelt ist.
„Zum ersten Mal hat die pro Wirtschaft für diese Kampagne auch Partner mit ins Boot genommen“, berichtet Anna Niehaus. „Das ist noch ausbaufähig, aber für den ersten Aufschlag sind wir nicht unzufrieden“, zieht sie ein erstes Fazit.  Partner sind neben dem Kreis Gütersloh das IT-Unternehmen SYNAXON, der Klebstoffhersteller Bostik, die Diakonie Gütersloh, die Volksbank in Ostwestfalen, die Kreissparkasse Halle-Wiedenbrück, der Hersteller von Schutzausrüstung Busch PROtective und auch TERRITORY.  Sie unterstützen finanziell, aber vor allem schaffen sie auch Reichweite durch Einbindung in die eigenen Marketing-Strategien.
Wie genau steht es überhaupt mit der Reichweite bei einer Kampagne, deren Mittel trotz Sonderbudget doch letztlich begrenzt sind? Das Konzept setzt, so erklärt Nils Krieft, einerseits auf die digitale Vernetzung, auf Social Media, Nutzung durch Partner, Werbetools auf Plattformen, ebenso wie die Vernetzung mit – beispielsweise – den Kreiskommunen. Flankiert wird die Kampagne aber auch durch Plakatwerbung und Motivpräsenz auf Plakatwänden und Info-Screens im Kreis, dies in zeitlich definierten Intervallen und an Kontaktstellen der umliegenden Hochschulen. „Uns ist es wichtig, auch haptisch zu werben, an Standorten sichtbar zu sein, die im Alltag relevant sind“, sagt Nils Krieft.
Bis zum Herbst 2026 ist die Kampagne durchgeplant. Wie es danach weitergeht, ist derzeit noch offen. „Die allgemeine Haushaltslage der Kommunen und des Kreises ist uns bewusst“, hoffen Anna Niehaus und Nils Krieft dennoch auf Offenheit für eine Fortsetzung und setzen gleichzeitig auf den Ausbau des Netzwerkes mit weiteren Partnern.  Gut sein und drüber reden, ist hier die Devise. „Ein bisschen laut sein täte uns schon gut“, sagt Anna Niehaus und erzählt, dass die Fachkolleginnen und -kollegen aus anderen Regionen durchaus neidisch auf die Wirtschaftsstruktur und all das schauen, was der Kreis Gütersloh zu bieten hat. Aber auch das gehört zum Pulsschlag der Region, dieses gepflegte Understatement, das „Not Bad“ und die Neigung, mit beiden Füßen am Boden zu bleiben, wo andere schon wegen kleinerer Erfolge abheben. Auch darauf hat „Gut leben, gut arbeiten“ ein Auge, oder besser gesagt: ein Augenzwinkern. Denn:  Wir können auch witzig. Und für die Rheinländer noch ein Hinweis: Karneval wird hier auch gefeiert – und zwar ohne kilometerlange Schlangen vor den Kneipen.

Foto: pro Wirtschaft GT

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Susanne Zimmermann

Gütersloher Urgestein, war lange Pressesprecherin der Stadt Gütersloh und leitete die zentrale Öffentlichkeitsarbeit, zuvor Redakteurin bei einer Gütersloher Tageszeitung und heute im Ruhestand aktiv in Kulturformaten.